| Dauerhafte Sterilisation |
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Seit die Geburtenkontrolle in unserer modernen Gesellschaft an Bedeutung gewinnt, hat sich das Verständnis der sozialen und kulturellen Werte dahingehend gewandelt, auch die Sterilisation des Mannes als Schutz vor ungewollter Schwangerschaft anzuerkennen. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich diesbezüglich auch die Akzeptanz der weiblichen Sexualpartnerinnen und auch die Bedeutung des Eingriffs sowohl für Männer, als auch für Frauen verändert. In modernen Gesellschaften und hoch entwickelten Industrieländern werden Sterilisationsoperationen durchgeführt, um einer nicht gewollten Schwangerschaft vorzubeugen, bzw. um während der sexuellen Aktivität nicht mit dem Gedanken belastet zu sein, dass dies passieren könnte. Eine Sterilisation wird auch zunehmend in Partnerschaften durchgeführt, in denen schon Kinder vorhanden sind oder in denen der Mann die Partnerin vor den unerwünschten Nebenwirkungen der hormonellen Schwangerschaftsverhütung schützen will, bzw. die Partnerin bereits unter diesen unerwünschten Effekten leidet. Die Sterilisation erfolgt durch die Durchtrennung des sogenannten Samenleiters (Ductus deferens), die Druckverhältnisse innerhalb des Samenleiters sind sehr fein abgestimmt. Die Sterilisation ist an sich eine einfache Operation, es gibt aber auch hier, wie bei fast jedem Eingriff, einige Risiken. Das bedeutendste Risiko stellt eine Infektion dar. Diese kann dann die Nebenhoden, die Prostata, die Hoden oder den Hodensack als ganzes betreffen. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass benachbarte Strukturen verletzt werden können, was vor allem bei ungeübten Operateuren eine Gefahr darstellen kann. Diese Gefahr besteht vor allem deswegen, weil alle Strukturen in diesem Gebiet einen Schnur ähnlichen Charakter haben und sich sehr ähnlich anfühlen. Das Verständnis der Anatomie stellt nur einen Teil der Operation dar, einen weiteren wesentlichen Teil stellt das Verständnis der Organfunktion dar. Die Durchtrennung des Samenleiters führt zu einer Druckerhöhung im Anfangsteils des Samenleiters am Ausgang aus dem Nebenhoden. Je kürzer dieser Abschnitt ist, um so größer ist der Druck. Dieser hohe Druck hat dann Auswirkungen auf die samenbildenden Strukturen und kann zu irreversiblen Gewebeschäden führen. Das läßt sich jedoch dadurch vermeiden, dass die Operation unter Berücksichtigung dieser Fakten sorgfältig geplant wird. Ein weiterer wichtiger und häufig in Vergessenheit geratener Punkt ist die Kenntnis, bzw. Fingerfertigkeit des Operateurs. Ich selbst führe die sogenannte mikrochirurgische Gefäßumkehrung durch. Dabei berücksichtige ich, dass der Patient später einmal den Wunsch haben kann, eine Umkehrungsoperation durchführen zu lassen. Deswegen belasse ich auch proximal (am Anfang des Samenleiters) und distal (am Ende) eine gewisse Länge, die eine mögliche mikrochirurgische Wiederanbindung in der Zukunft erlaubt und diese erleichtert. Das wird erschwert, wenn der proximale Teil zu kurz oder zu lang ist, weil der Zugang zum Samenleiter auf Höhe des Knochens sehr schwierig ist. Bei der Planung der Operation erörtere ich die oben erwähnten Fakten mit dem Patienten. Ich befrage ihn auch nach seinen Motiven, die ihn veranlassen, sich operieren zu lassen. Eine weitere wichtige Frage ist die nach seinen zukünftigen Plänen und zwar, weil eine mikrochirurgische Umkehrungsoperation nur innerhalb der ersten 3 – 5 Jahre nach der Sterilisation durchgeführt werden kann. Eine Vasektomie vermindert die Chancen auf Wiedererlangung der Zeugungsfähigkeit und gesunder Spermienproduktion zwei Jahre nach deren Durchführung beträchtlich. Dieser sehr wichtige Gesichtspunkt muss mit dem Patienten ausführlich erörtert werden. Auch die Partnerin des Patienten muss bei dem Gespräch anwesend sein und sie muss auch die Einverständniserklärung zur Operation unterzeichnen. Wenn der Patient noch keine eigenen Kinder hat, sollte zum Nachweis seiner Zeugungsfähigkeit vor der Operation ein Spermiogramm angefertigt werden, denn sonst kann es passieren, dass die Operation zwar erfolgreich durchgeführt wurde, aber gar nicht notwendig gewesen wäre. Für die Zeugungsfähigkeit gibt es keinen besseren Nachweis als eigene Kinder zu haben.
Wer kommt für diesen Eingriff in Frage? Alle Männer, die steril sein möchten, Männer in Partnerschaften, die keine Kinder haben möchten und Männer, die ihre Partnerinnen vor den unerwünschten Nebenwirkungen der „Anti Baby Pille“ schützen möchten, kommen für diese Operation in Frage. Wie läuft der Eingriff ab? Die Vasektomie wird ambulant durchgeführt. Ich führe meist eine einfache Sedierung durch und betäube das entsprechende Gebiet mit einem Lokalanästhetikum, z.B. 20 ml Xylocain 1% für beide Seiten. Der Patient liegt auf dem Rücken, der Samenleiter wird aufgesucht und zwischen zwei Fingern gerollt. Dann werden die Strukturen mit speziell geformten gezahnten Zangen gehalten. Oberhalb der Struktur erfolgt dann sofort ein 5 mm langer Einschnitt, aus dem dann eine weiß glitzernde Schlaufe austritt. Diese Schlaufe wird dann erneut, wie oben beschrieben, gehalten. Eine dabei möglicherweise auftretende Blutung ist gewöhnlich unbedeutend und kann leicht mit Hilfe der Hochfrequenzstromzange unter Kontrolle gebracht werden, während der Patient durch seine Verbindung mit der Erdungselektrode geschützt wird. Dann wird der betroffene Bereich untersucht und die proximale und distale Länge bestimmt. Anschließend wird jeweils eine feine Moskitozange an jeden Schenkel der Schlaufe gebracht. Das zwischen den Zangen liegende Stück wird nun abgetrennt und zur Untersuchung in die Pathologie eingeschickt. Die durch den Schnitt entstandenen Gefäßöffnungen werden mit Hilfe der Hochfrequenzstromzange verschlossen. Das Gleiche geschieht dann mit dem proximalen Teilstück. Auf diese Weise wird garantiert, dass die beiden Lumen nicht miteinander in Kontakt kommen können und dadurch keine Rekanalisation erfolgen kann, was möglich ist, wenn sie nicht völlig voneinander isoliert sind. Jeder Schenkel wird auf sich selbst gebogen, mit einer durch die Biegung laufenden Naht gesichert und danach fixiert. Zur Vermeidung eines Hämatoms wird dann eine sorgfältige minimale Koagulation durchgeführt und die Strukturen anschließend in den Hodensack zurückgelegt. Ich mache gewöhnlich noch einen subkutanen Stich und maximal zwei weitere Hautstiche mit nicht absorbierbarem Nahtmaterial und anschließend einen Verband, der am ersten Tag nach der Operation durch einen Tegaderm Verband ausgetauscht wird. Dasselbe Verfahren wird auf der gegenüberliegenden Seite wiederholt. Die Operation dauert ca. 20 Minuten. Es gibt bei der Vasektomie auch noch eine Methode, bei der kein Skalpell verwendet wird. Auch diese Methode wird von mir angewendet. Sie unterscheidet sich allerdings weder in technischer noch in funktioneller Hinsicht von der hier beschriebenen. Der Patient kommt 24 Stunden nach der Operation zur Visite. Ich mache eine klinische Untersuchung der Genitalregion und untersuche ihn mit Hilfe von Ultraschall um mögliche Zeichen einer Infektion oder eines Hämatoms auszuschließen. Hierbei wird auch der Verband gewechselt und ein Tegaderm Verband angelegt. Dieser hat den Vorteil, dass die Wunde leicht untersucht werden kann und sich der Patient auch waschen oder duschen kann ohne dass die Wunde dabei feucht wird. Der Patient kommt dann für die Dauer von einer Woche jeden zweiten Tag zur Visite. Es gibt keinen Grund, Antibiotika zu verordnen, aber es ist ratsam, ein Medikament gegen die Schwellung, bzw. Tropfen gegen möglicherweise nachts auftretende Schmerzen einzunehmen. Geschlechtsverkehr ist vorerst untersagt, insbesondere bis zum laborchemischen Nachweis, dass sich im Ejakulat des Patienten keine Spermien mehr befinden. Dieser Nachweis erfolgt mit Hilfe des Spermiogramms ca. 6 Wochen nach der Operation. Meiner Erfahrung nach können zu einem früheren Zeitpunkt noch einige Spermien auftreten, die, auch wenn sie unbeweglich sind, trotzdem verdächtig sind. Die vor dem Ablauf von sechs Wochen auftretenden Spermien gehören zu denjenigen, die in den Samenblasen gespeichert sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ):
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