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Die retroperitoneale Lymphadenektomie |
Hodenkrebs ist eine Erkrankung, die vor allem bei jungen Männern auftritt. Entsprechend der unterschiedlichen Zellen, von denen er ausgeht, unterscheidet man unterschiedliche Typen. Wie jedes andere Organ im menschlichen Körper auch, werden die Stoffwechselendprodukte aus dem Hoden über dessen Lymphgefäße zu bestimmten Lymphstationen (Lymphknoten) transportiert.
Diese den Hoden betreffenden Lymphknoten befinden sich im sogenannten Retroperitonealraum, ein Raum der sich hinter den Eingeweiden befindet. Er enthält die großen Blutgefäße des Körpers, nämlich die Aorta und die Vena cava und darüber hinaus einige Nerven einschließlich der sympathischen und parasympathischen Nervenfasern.
Unter retroperitonealer Lymphadenektomie versteht man die Entfernung dieser für den Lymphabfluss aus den Hoden zuständigen Lymphknoten. Es ist hierbei sehr wichtig, die sich in diesem Areal befindenden Nerven zu schonen, vor allem die sympathischen Nerven, um zu vermeiden, dass es beim Geschlechtsverkehr zu einer Ejakulation in die Blase kommt (retrograde Ejakulation). Die Operation, bei der großer Wert auf die Schonung dieser wichtigen Nerven gelegt wird, wird als retroperitoneale Lymphadenektomie unter Schonung der Nerven bezeichnet.
 Nervsparende retroperitoneale Lymphknotenentfernung Die sympathische Nervenkette läuft um die Aorta herum und ummauert die Lymphknoten. LN = Lymphknoten N = Nerven und sympathische Nervenkette
Wer kommt für diesen Eingriff in Frage? Die Operation eignet sich für Patienten, bei denen histologisch Hodenkrebs nachgewiesen wurde und eine begrenzte Lymphknotenmetastasierung vorliegt. Außerdem eignet sie sich für Patienten, bei denen zwar keine Metastasen nachgewiesen wurden, bei denen die Operation aber als prophylaktische Maßnahme vorgenommen wird, da sich eine abwartende Strategie nicht empfiehlt. Wie läuft der Eingriff ab? Der Patient liegt auf dem Rücken. Unterhalb des Brustraumes erfolgt ein Einschnitt, der bis zum Ende des Unterbauches fortgeführt wird. Dann wird das Bauchfell (Peritoneum) an der Vorderseite des Bauches eröffnet und die Darmschlingen werden geschützt durch feuchte warme Handtücher vorsichtig außerhalb des Körpers aufbewahrt. Die Leber wird ebenfalls durch ein feuchtes warmes Handtuch und einen breiten weichen Retraktor geschützt. Durch einen Einschnitt im hinteren Bereich des Peritoneums wird der Zugang zum Retroperitoneum erreicht. Anschließend werden dort Gefäße, Nerven und Lymphknoten inspiziert. Die Knoten (Ganglien) des sympathischen Nervenstranges (Grenzstrang) und die Beckennerven werden aufgesucht und gemaped. Dann wird das Gebiet, in dem die Lymphknoten entfernt werden sollen, in Abhängigkeit der betroffenen Seite gekennzeichnet maped und anschließend unter besonderer Berücksichtigung der Nerven und Gefäße dieses Gebietes entfernt.
Es wird außerdem auf eine mögliche Blutung und auf die Lymphgefäße geachtet. Danach wird das Peritoneum auf der Rückseite des Bauchraumes wieder verschlossen und die Darmschlingen zurück in den Bauchraum gelegt. Nun wird noch das Peritoneum auf der Vorderseite des Bauchraumes verschlossen. Danach erfolgt der Wundverschluß und anschließend der Wundverband.
 Schnittführung
Häufig gestellte Fragen (FAQ):
- Ist es bei Hodenkrebs in jedem Stadium zwingend erforderlich, die Lymphknoten des Retroperitoneums zu entfernen?
Nein, dies wird nur getan, wenn sie zu einem geringen Teil von Krebs befallen sind oder aus prophylaktischen Gründen, um deren Miteinbeziehung in die Erkrankung zu einem späteren Zeitpunkt zu verhindern. Es gibt die sogenannte „Wait and see“ Strategie (abwartende Kontrolle), die statistisch den wissenschaftlichen Nachweis erbracht hat, dass sie gegenüber der Entfernung der Lymphknoten als fast gleichwertig zu betrachten ist und darüber hinaus das Operationsrisiko vermeidet. Letztendlich hängt die Wahl der Therapie sehr vom individuellen Fall ab.
- Was versteht man unter retrograder Ejakulation?
Eine normale Ejakulation ist anterograd, das heißt der Samen gelangt durch die Harnröhre nach außen. Dies geschieht, weil sich der Blasenhals während der Ejakulation schließt. Die Steuerung dieses Mechanismus geschieht über das sympathische Nervensystem, besonders über die sich im Retroperitoneum befindenden Fasern. Bei einer Verletzung dieser Fasern kann es zu einer Öffnung des Blasenhalses während der Ejakulation kommen. Das hat zur Folge, dass der Samen in die Blase gelangt und anschließend zusammen mit dem Urin entleert wird.
- Welche Komplikationen können bei der Operation auftreten?
Die wichtigste ist die retrograde Ejakulation. Eine weitere mögliche Komplikation ist die Verletzung der Aorta oder der Vena cava. Die Verletzung dieser Gefäße ist zwar selten, sie sollte aber mit Hilfe moderner Methoden zum Verschluß von Gefäßen sofort behoben werden. Eine Verletzung des Darmes, der Leber oder von Nerven ist unwahrscheinlich. Eine Infektion oder Wundheilungsstörungen sind ebenfalls unwahrscheinlich.
- Was versteht man unter Lymphansammlung?
Es kann passieren, dass eines oder auch mehrere der winzigen Lymphgefäße beschädigt werden. Dabei tritt dann Lymphflüssigkeit aus. Es sammelt sich an bestimmten Stellen und kann zu einer sogenannten Lymphozele führen. Durch kontrolliertes Abwarten und Kompression kann sie behandelt werden. Nur in seltenen Fällen ist es notwendig, die Flüssigkeit unter Ultraschallkontrolle abzusaugen.
- Garantiert die Entfernung der Lymphknoten, dass es bei Hodenkrebs nicht zu einer Metastasierung kommt?
Nein, aber sie stellt eine sehr gute Methode dar, das Risiko erheblich zu reduzieren. In den meisten Fällen bedeutet die Operation einen Schritt in Richtung komplette Heilung.
- Wie ist die Heilungschance bei Hodenkrebs?
Die Heilungsrate beträgt 98%. Dies ist besonders auf die hochentwickelte Chemotherapie zurückzuführen.
- Nach welchem Zeitraum kann ich wieder meinen gewohnten Tätigkeiten nachgehen?
Sie benötigen zur Wundheilung und zur Stabilisierung ihres Gesundheitszustandes etwa zwei Wochen Erholung. Die Ausübung von leichter Arbeit ist dann etwa 6 – 8 Wochen nach der Operation wieder möglich.
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