Darunter versteht man die völlige Entfernung von Prostata, Samenblasen und Lymphknoten auf beiden Seiten des Beckens durch eine offene Operation über einen Zugang entweder durch die Bauchdecke (abdominal) oder durch den Damm (perineal), was in etwa dem Gebiet zwischen Penis und After entspricht.
Diese Operation empfiehlt sich, sofern der bösartige Prostatatumor frühzeitig erkannt wird. Die Operation kann sowohl die Kontinenz, als auch die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Ebenso hat sie einen Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten.
 Anatomie der Prostata a = Blase / b = Blasenhals c = Rechte Prostatalappen / d = Linke Prostatalappen e = Samenhügel / f = Harnröhre g = Kapsel der Prostata / h = Nerven und Gefäße der Prostata i = Schließmuskel (Außenventil)
 Prostatakrebs 1 = Krebsareal ist auf die Kapsel beschränkt (Frühstadium) 2 = Krebsareal ragt aus der Kapsel heraus (Fortgeschritten) 3 = Krebsareal in der Drüse verstreut (Zufallbefund)
Wer kommt für diesen Eingriff in Frage? Die radikale Prostataektomie kommt in den Fällen in Frage, in denen der Prostatakrebs auf die Prostata beschränkt ist, d.h. die Lymphknoten des Beckens sind ebenso wenig betroffen, wie Knochen oder Leber. Der Allgemeinzustand des Patienten muss eine Operation und Narkose zulassen. Wie läuft der Eingriff ab? Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Der Patient liegt auf dem Rücken und der Schnitt erfolgt im Unterbauch, um so einen extraperitonealen Zugang zur Prostata zu ermöglichen, d. h. dass man die Prostata erreicht, ohne das Bauchfell verletzen zu müssen. Dann sucht man die große Arterien und Venen des Beckens auf. In deren Umgebung befinden sich Lymphknoten, die entfernt werden und mittels eines Schnellschnitts unter dem Mikroskop histologisch beurteilt werden.
Wenn Krebszellen innerhalb der Lymphknoten entdeckt werden, so wird die Operation nicht weitergeführt, sondern an Stelle dessen werden die Hoden entfernt, um so eine hormonelle Therapie durchführen zu können. Sind die Lymphknoten nicht befallen, dann wird die Operation fortgeführt, in dem Prostata mit dazugehörender Kapsel unter Schonung der Nerven und Blutgefäße in unmittelbarer Nähe freipräpariert werden. Ebenso wird der Beckenboden im Bereich des Blasenhalses freipräpariert.
Anschließend wird die Prostatadrüse zusammen mit Samenblasen und Samenstrang im Ganzen entfernt. Hierbei muss man sehr sorgfältig vorgehen und besondere Aufmerksamkeit auf die Prostataspitze richten, da sie auf dem Beckenboden genau dort liegt, wo sich der Muskel befindet, der für die Erhaltung der Kontinenz verantwortlich ist. Ebenfalls sehr wichtig ist die Schonung der Nerven, die entlang der Prostata verlaufen, denn diese sind für den Erhalt der Potenz sehr wichtig. Nach Entfernung der Prostata wird der Blasenhals wieder mit der Harnröhre verbunden.
Anschließend erfolgt die Anlage eines Katheters durch die Bauchdecke und eines zweiten Katheters durch die Harnröhre, ferner werden Drainagen ins Becken eingebracht, die den Wundfluss durch die Bauchwand nach draußen ableiten. Dann wird das Becken untersucht, um sicher zu gehen, dass die Blutung gestillt ist und anschließend die Operationswunde Schicht für Schicht verschlossen.
Diese Operation erfolgt nicht ambulant, sondern stationär. Sie müssen mit einem zehntägigen Krankenhausaufenthalt rechnen. Die Vorbereitung erfolgt wie für jede andere Operation auch.
 Legende
 Schnittführung
 Rektale Untersuchung der Prostata a = Prostata / b = Blase / c = Enddarm 1 = Krebsareal
Häufig gestellte Fragen (FAQ):
- Unter welchen Umständen ist die Entfernung der Prostata angezeigt?
Wenn der Tumor auf die Prostatadrüse beschränkt ist und keine Fernmetastasen in Lymphknoten oder anderen Organen, besonders in Leber und Knochen vorhanden sind, ist diese Operation angezeigt. Außerdem muss der Allgemeinzustand des Patienten den Eingriff zulassen und die Diagnose muss histologisch gesichert sein.
- Gibt es irgendeine andere Behandlungsform, die die Operation vermeidet?
Ja, die Brachytherapie. Das ist eine neue Behandlungsmethode, die noch wissenschaftlich untersucht wird. Die neuesten Ergebnisse diesbezüglich sind ermutigend.
- Wie ist die Behandlungsstrategie, wenn die Erkrankung schon fortgeschritten ist?
Dann behandelt man mittels Hormonentzug entweder, in dem man die Hoden entfernt oder durch Gabe von Hormonanaloga mittels Spritzen, die die Produktion des männlichen Hormons stoppen.
- Zu welchen Komplikationen kann es bei der radikalen Prostatektomie kommen?
Die wichtigsten Komplikationen, die das weitere Leben beeinflussen, sind das Unvermögen, den Urin zu halten (Inkontinenz) und der Verlust der Erektionsfähigkeit (Impotenz). Inkontinenz tritt nur dann auf, wenn der Tumor in der Prostataspitze lokalisiert ist und durch den Eingriff Beckenboden und die zur Kontinenzerhaltung erforderliche Muskulatur beeinträchtigt werden. Die Nerven, die für die Erektion verantwortlich sind, verlaufen auf beiden Seiten der Drüse. Wenn diese verletzt werden, kommt es zur Impotenz.
- Kann man bei Impotenz Abhilfe schaffen?
Ja, die Implantation einer halbstarren oder hydraulischen Penisprothese stellt eine bewährte Methode dar, die eine hohe Lebensqualität garantiert.
- Kann man den Geschlechtsverkehr weiterhin ungestört genießen und einen normalen Orgasmus erleben?
Ja, die Empfindungen sind normal, allerdings kommt es beim Orgasmus nicht zu einer Ejakulation, da es nach Entfernung von Prostata, Samenblasen und Teilen des Samenstrangs nicht mehr zur Produktion von Samenflüssigkeit und Sperma kommt.
- Wie behandelt man eine mögliche Inkontinenz nach der Operation?
Wenn es nur zu einer teilweisen Inkontinenz kommt, das heißt, wenn es bloß bei plötzlichen Bewegungen zum ungewollten Abgang von Urin kommt, dann erfolgt eine physiotherapeutische oder elektrische Behandlung. Entsteht aber eine komplette Inkontinenz, d. h. auch in Ruhe, dann hat man die Wahl zwischen einem „Urinkondom“ und der Implantation eines sogenannten „Scott Sphincter“.
- Was ist ein „Urinkondom“?
Dies ist ein spezielles Kondom, das mit einem Katheter verbunden ist und dadurch den Urin in einem Urinbeutel mit einer speziellen Umhüllung auffängt.
- Was versteht man unter einem „Scott Sphincter“?
Das ist ein Hilfsmittel, das aus Silikon besteht. Es wird um die Harnröhre implantiert und hat die Funktion, diese bei Unterschreitung eines bestimmten Druckes zu verschließen. Er wird über einen im Unterbauch oder zwischen den Hoden gelegenen Knopf reguliert. Wenn man den Knopf drückt, wird der Druck innerhalb des Schließmuskels (Sphincter) minimal und man kann die Blase in gewohnter Weise entleeren. Wenn man dann einen anderen Knopf drückt, schließt sich der Sphincter erneut. Er ist unauffällig, sauber und verursacht keinen unangenehmen Geruch.
- Wie hoch ist die Lebenserwartung nach radikaler Prostatektomie?
Die Lebenserwartung hängt vom Stadium der Erkrankung und vom Zeitpunkt der durchgeführten Operation ab.
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